Der Lernbereich Religion /  Werte und Normen wird geleitet von OStR Berend Haus.

 

1. Die Lehrkräfte:

Folgende Lehrkräfte unterrichten innerhalb des Lernbereichs (Schuljahr 2017/2018):

Katholische Religion: Frau Feye (Jg. 5 - 10), Frau Rebbe-Ruprecht, Frau Christ

Evangelische Religion: Frau Lippert, Herr Haus, Frau Misler, Frau Dr. Polat-Menke, Herr Hensen, außerdem ab 15.10.2017 Schulpastor Herr Morié

Werte und Normen: Herr Wieblitz, Herr Bodenstein, Frau Eid (als Lehrkräfte mit einer Ausbildung für das Fach), dazu verschiedene Lehrkräfte mit  unterschiedlichen Fächern; in diesem Schuljahr:   Herr Knappe, Herr Mattheus

 

2. Die Organisation des Unterrichts:

Der Unterricht findet von Jg. 5 - 10 in klassenübergreifenden Kursen, die auf Bändern liegen, statt. Gegen Ende des Schuljahres muss jeder Schüler sich für ein Unterrichtsfach des Lernbereichs schriftlich anmelden und bleibt für ein Schulhalbjahr an seine Wahl gebunden. Ab 14 Jahren entscheidet der Schüler selbst über den Unterricht, an dem er teilnehmen möchte, vorher seine Erziehungsberechtigten. In den Jahrgängen 11-12 werden ebenfalls Kurse (ev. Religion sowie Werte & Normen) gebildet.

Seit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es etwas Neues: Für den Jahrgang 5 wurde bei der Schulbehörde ein Antrag auf Erteilung von konfessionsübergreifenden Religionsunterricht (RU) gestellt, dem auch stattgegeben wurde. Die Fachkonferenz Religion hatte sich zuvor auf ein gemeinsames Curriculum für den Jg. 5 geeinigt, dass beiden Kerncurricula entspricht und sowohl von katholischen als auch von evangelischen Lehrkräften umgesetzt werden kann. Nun konnten die evangelischen und die katholischen Kinder einer Klasse gemeinsamen RU, erteilt von einer evangelischen oder katholischen Lehrkraft, erhalten. Auf den betr. Elternabenden hatten alle anwesenden Eltern der betr.Kinder dem Modell zugestimmt. Die Fachkonferenz Religion hat inzwischen auch für Jg.6 und 7 ein gemeinsames Curriculum erarbeitet und nach der Genehmigung durch die Schulbehörde erhalten seit dem 01.08.2011 die ev. und kath. Kinder der Jg. 5 und 6 gemeinsamen RU und seit dem Schuljahr 2014/15 wird auch der 7.Jg konfessionsübergreifend unterrichtet. In den Jahrgängen 8-10 soll es bei der Erteilung des konfessionellen RU bleiben, so dass kath.Schüler von Kl.5-10 mindestens die Hälfte der Schulzeit katholischen Unterricht besuchen können, wie es der betr.Erlass vorschreibt.

 

3. Der Lernbereich im Abitur:

In der Kursstufe finden sich in der Regel genügend Schüler, um einen vierstündigen Prüfkurs (P4 oder P5) zu bilden. Werte und Normen ist in Niedersachsen als Prüfungsfach gerade erst zugelassen worden und kann an Schulen angeboten werden, an denen mindestens zwei Lehrkräfte mit der Oberstufenbefähigung für dieses Fach unterrichten. Katholische Religion kann an der Herderschule zur Zeit in der Kursstufe nicht angeboten werden. Die katholischen Schüler können ev. Religion als Prüfungsfach wählen (P4 oder P5)  oder ihre Belegverpflichtung wahlweise in ev.Religion oder Werte und Normen erfüllen.

 

4. Beiträge zum Schulleben:

- Schulgottesdienste

a. Einschulungsgottesdienst Kl.5 : Am Tag der Einschulung findet vor der Einschulungsfeier in der Aula ein Einschulungsgottesdienst für die Kinder und ihre Familien in der ev.-luth. Pauluskirche statt. Er wird vorbereitet und durchgeführt vom jeweiligen Schulpastor an der Herderschule.

b. Gottesdienst zum Reformationsfest (31.10.) oder zum Buß- und Bettag (November) : Je nach Lage der Herbstferien wird am 31.10. oder am Bußtag in der 5.und 6.Stunde (Beginn 12 Uhr) für die Jg. 5-7 in der Pauluskirche und für die Jg. 8-13 in der Michaeliskirche ein Schulgottesdienst angeboten. Thema und Elemente dieser Gottesdienste werden vorher im Religionsunterricht erarbeitet. Der Gottesdienst in der Michaeliskirche wird meistens auch weitgehend von den Schülern selbst durchgeführt. Zusammen mit dem Gottesdienst zur Abiturentlassung bietet dieser Herbstgottesdienst dem Jugendchor der Herderschule eine Gelegenheit, eingeübte Lieder (z.B. Gospels) vorzutragen.

c. Gottesdienst zur Abiturentlassung (Ende Juni).: Dieser Gottesdienst fand anfangs spätnachmittags in der Nikolaikirche vor dem Empfang der Abiturienten im Rathaus, in den letzten Jahren ab 9.45 Uhr in der Pauluskirche vor der Abiturentlassungsfeier (11 Uhr) statt. Die thematische Erarbeitung und Durchführung des Gottesdienstes liegt in den Händen eines Vorbereitungskomitees, das aus Schülerinnen und Schülern des Abiturjahrgangs sowie den im  Jahrgang unterrichtenden Religionslehrkräften besteht.

 

Weitere Beiträge:

- Beiträge zur inhaltlichen Begleitung von Konzerten des Jugendchores, z.B. für ein Gospelkonzert oder für das traditionelle Weihnachtskonzert

- Beiträge zur Gestaltung der Adventszeit: Erprobt wurden Angebot von Adventsandachten in der großen Pause, ein Adventsliedersingen in der Pausenhalle oder auf den Fluren während der ersten Stunde. Ersteres wurde nur von wenigen wahr genommen, letzteres ist aufgrund der baulichen Anlage des Gebäudes schwierig zu gestalten. Alternativ soll in den jeweiligen Religionsstunden mit den Lerngruppen der Advent feierlich gestaltet werden. In diesem Schuljahr soll wiederholten Mal in der Adventszeit jeweils in der 1.gr. Pause der "offene Adventskalender" durchgeführt werden, d.h. dass jeweils eine Klasse an einem Tag in ihrem Klassenraum ein adventliches Angebot macht.

„Was machen Sie denn beruflich ? …. Lehrer – das ist kein Beruf, das ist eine Diagnose !“

sagte zu mir vor einiger Zeit ein Radio- und Fernsehjournalist. Aber dann etwas später:

„Ach, Sie unterrichten Religion ?“

 

Wer selber dieses Fach unterrichtet, wird diese Frage auch schon gehört haben. Eine Bemerkung zwischen ungläubigem Staunen, mildem Spott, manchmal auch versteckter Bewunderung.

 

Bewunderung – wofür ? Naja, die Menschen, die die nächste Erwachsenengeneration stellen werden, sind christlich gesehen oft sagenhaft ahnungslos. Christliche Traditionen, biblische Grundlagen oder eine reflektierte Kirchenzugehörigkeit sind heute nur bei wenigen feststellbar, aber alle haben eine Meinung zu Religion. Deshalb leidet das Fach zuweilen unter der scheinbaren Beliebigkeit der vertretenen Ansichten und unter seinem Ruf als 'Laberfach'. Da hilft nur eins: Aufklärung durch sachliche Information. Gut, dass Religionslehrer in der Regel von Natur aus echte Gegner von Dummheit sind und Freude haben an Erkenntnissen jeder Art.

 

Aber ist der konfessionelle Religionsunterricht nicht ein Relikt aus längst vergangener Zeit?

 

Kinder und Jugendliche haben in unserer globalisierten Welt und angesichts der multikulturellen und multireligiösen Lebenszusammenhänge ein Recht auf religiöse Bildung - sie haben ein Recht auf Religion, weil die Fragen nach Sinn, nach Gott, Leben und Tod, Gerechtigkeit und Leid konstitutiv für das Menschsein und darauf angelegt sind, eine Antwort aus einem religiösen Bezug zu erfahren. Die Auseinandersetzung mit religiösen Erfahrungen und Vorstellungen gehört zur Persönlichkeitsentwicklung. Der Religionsunterricht dient dem Leben, weil er Fragen aufnimmt, die sonst im Schulalltag nicht so klar vorkommen: Warum gibt es mich ? Wer bin ich ? Wie soll ich leben ? Was ist wirklich wichtig ? Worauf kann ich mich verlassen ? Was kommt nach dem Tod ?

 

Es begeistert, wenn es gelingt, dass Schülerinnen und Schüler eigene lebensweltliche Interessen zum Thema im RU machen. Der Unterricht wird spannend, wenn sie ihre Fragen formulieren und gemeinsam nach Antworten gesucht wird.

 

Für den christlichen Religionsunterricht gilt zudem: Man muss Bibel und christliche Theologie kennen lernen, weil sie und die durch sie begründeten kulturellen Lebensäußerungen unsere Geschichte, unsere Kultur, unsere Gegenwart prägten und prägen – sie bilden somit einen Schlüssel für den Zugang zu ihnen. Religionslehrer sind in der christlichen Tradition zu Hause und stehen mit ihrer Person für ihre Überzeugung ein. Das macht auch Sinn, denn Schüler haben ein Recht darauf zu wissen, welchen Standpunkt die Lehrkraft einnimmt, ohne ihn übernehmen zu müssen. Ausgehend von dieser Basis kann über Glaubensfragen frei und kritisch diskutiert werden.

 

Aber bietet der konfessionelle Religionsunterricht nicht der Kirche die Möglichkeit der Einflussnahme und widerspricht dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat ?

 

Vertreter dieser Fragestellung unterstellen  implizit, dass Religionsunterricht Missionierung wäre oder die Schülerinnen und Schüler davon abzubringen versuche, aufklärerisch und selbstbestimmt zu denken. Das Gegenteil ist der Fall: Guter Religionsunterricht ist gerade deshalb ideologiekritisch, weil er sich mit historischen und gegenwärtigen Deutungen des eigenen Glaubens beschäftigt und danach fragt, wie und mit welchen Strategien bestimmte Auffassungen biblisch und christlich-traditionell gerechtfertigt werden. Teil des Religionsunterrichts sind darüber hinaus auch andere Religionen und Weltanschauungen ebenso wie Fragen der Religionskritik. Tolerant gegenüber anderen – auch nichtreligiösen – Überzeugungen kann nur sein, wer seine eigenen Grundlagen und Überzeugungen kennt.

 

Kurz vor den Zeugnissen höre ich oft die Frage: „Herr Haus, was kriege ich in Religion?“ Meine Lieblingsantwort darauf lautet: „Eine gute Allgemeinbildung !“ Warum ich das sage ? Hartmut von Hentig beantwortete die Frage: „Was für eine Bildung wollen wir den jungen Menschen geben ?“ mit der Entwicklung von „Bildungskriterien“ (Hartmut von Hentig, Bildung - Ein Essay, München/Wien 1996).

 

Man könnte sie so zusammenfassen:

- Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit

- Wahrnehmung von Glück

- Die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen

- Ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz und Wachheit für letzte Fragen

- Die Bereitschaft Verantwortung für sich selbst und das Allgemeinwohl zu übernehmen

 

Wer guten Religionsunterricht kennen gelernt hat, weiß, in welchem Maße diese Kriterien in seinem Mittelpunkt stehen.